Alle da und doch nicht komplett. Derby #300 war kein Heimspiel

So, es geht nicht anders. Ich kann es nicht einfach unkommentiert lassen. Die Absenz der Ultras im Happel-Stadion. Der Machtkampf zwischen Verein und der aktiven Fanszene wird skurriler, je länger er andauert.

Technisch und taktisch wurde das Jubiläumsderby bereits hier, hier, hier, hier, hier und hier auseinander genommen. Dazu kann ich eigentlich nichts mehr beitragen.

Kein Heimspiel

Es war gestern wieder kein Heimspiel. Hat sich nicht so angefühlt. Nicht eine Sekunde lang. Trotz der 29.000 Besucher hat etwas gefehlt: der Support. Die gesangliche Demütigung durch den violetten Block hat die Situation nicht verbessert. Es wär ein Leichtes gewesen sie auszusingen. So richtig vehement waren sie nicht. Dennoch hat es gereicht mit 2.000 Stimmen die restlichen, vorwiegend grünweißen,  27.000 zum Verstummen zu bringen.

Alle da und doch nicht komplett

Alle da und doch nicht komplett

Ein paar verhungerte “Steht auf, wenn ihr …” waren zu sehen/hören. Nicht einmal ein “Hier regiert der SCR” haben wir auf die Reihe gebracht. In Hütteldorf haben wir gelernt auf die West zu warten. Die machen Stimmung. Die geben Gas. Da hängt man sich dann innbrünsting einfach dran. Hat gut geklappt. Tut es nicht mehr. Weil warum? Weil der Block auf Protest setzt. Das Machtspiel mit der Vereinsführung geht weiter. Man hat auf Support im Happel-Stadion verzichtet. Weil man den Kommerzgedanken nicht unterstüzen will. Rapid müsse in Hütteldorf spielen.

Hintergrund

Rapid verlegt die “Heimderbys” seit dem Platstzurm in das Happel-Stadion. Aus Sicherheitsgründen. Die Ultras glauben nicht daran und vermuten Scheinargumente. Unterstellt werden monetäre Motive. Ich halte eine Mischung für die realistischste Variante: Rapid kann es sich einen neuerlichen Platzsturm schlichtweg nicht leisten. Nicht sein Image. Nicht seine Sponsoren. Die Folgen wären kaum abzusehen. Das ist Realität. Dem geht man -meiner Meinung nach- zielsicher aus dem Weg: In den Prater. Dort ist ein Platzsturm aufgrund der baulichen Bekacktheit äußerst unrealistisch. Noch dazu, wenn die Ultras ihren fehlenden Einatz/Support ankündigen. Dann braucht man nicht mal mehr Personenkontrollen.

Ich halte die Entscheidung für richtig, weil logisch. Was würde passieren, spielte Rapid ein weiteres Seuchenjahr? Gäbe oder gibt es eine Garantie dafür, dass es nicht wieder zu einem Platzsturm kommt? Die Folgen wären, wie schon erwähnt, schwer abzusehen.

Solange die Fanszene nicht einsieht, dass mit ihrer Macht, die sie unzweifelhaft hat, auch Verantwortung einhergeht, wird die Beziehung zum Verein eine problematische sein. Rapid braucht die Ultras und die Ultras brauchen Rapid. Worauf es hinausläuft, wenn die beiden diese Wechselwirkung nicht verstehen wollen, war gestern im Prater zu sehen. Das war unwürdig und hoffentlich die Talsohle einer unwürdigen Ära.

Zukunft

Es ist an der Zeit wieder konstruktiv zu werden und auch so miteinander umzugehen. Die Meinungsverschiedenheiten in Sachthemen wird es weiterhin geben. Gegensätzliche Ausrichtungen generieren Reibungsflächen.

In einer idealen Welt würde Rapid sich offiziell dazu bekennen, dass sie die Unterstützung des Blocks ‘braucht’ und der Block würde das nicht gegen Rapid verwenden. Eine Utopie.

Auch bin ich nicht sicher, wie sehr Ultras bereit sind sich nicht an die Spitze der Bedürfnispyramide eines Vereines zu stellen. Auch davon wird es abhängen wie sich diese Partnerschaft in Zukunft gestalten wird.

Dass die Lage für den Block West nicht einfach ist verstehe ich voll und ganz. Vieles, was in den letzten Wochen und Monaten rund um die Fanszene passiert ist, lässt nachvollziehen, dass man mit verletztem Stolz zu kämpfen hat hat.

Über die Urteile rund um den Westbahnhof bin ich selbst schwer verärgert (Doch dazu an anderer Stelle mehr). Auch maße ich mir kein Urteil an. Ich kann nur beobachten und fromme Wünsche formulieren.

FORZA RAPID

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